Europa ist auf Hitzewellen nicht vorbereitet
Der Volt-Europaabgeordnete Kai Tegethoff kritisiert die aktuellen Pläne der Bundesregierung, Gelder aus dem Klima- und Transformationsfonds in den Kernhaushalt umzuleiten. Bei Temperaturen von 44 Grad in Spanien, verheerenden Waldbränden in Frankreich und extremer Hitze im Alpenraum sei das genau das falsche Signal. Stattdessen empfiehlt Tegethoff, Mitglied im Umweltausschuss (ENVI), die Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu beschleunigen und europaweit zu koordinieren. Seine Empfehlungen dafür hat er heute in einem Brief an die Europäische Kommission geschickt, die im Herbst den integrierten EU-Rahmen für Klimaanpassung vorstellen will. Er setzt dabei auf klare Rechenschaftspflichten und messbare Ziele statt Absichtserklärungen.
„Es ist gerade einmal Anfang Juli, und schon rollt die dritte Hitzewelle an”, so Tegethoff. “Genau vor solchen Sommern hat die Wissenschaft gewarnt. Europa glüht, und viele begreifen langsam: das ist das neue Normal. Nur Lars Klingbeil offenbar nicht. Er will 2,7 Milliarden abzweigen, die eigentlich für die Klimaanpassung gedacht waren. Die Bundesregierung handelt kurzsichtig und hat keine Strategie. Was wir jetzt brauchen, ist ein langfristiger Plan. Die Wissenschaft hat die größten Risiken für unseren Kontinent bereits identifiziert. Jetzt liegt es an uns, diese Risiken mit konkreten Maßnahmen zu verringern.“
In seinem Schreiben verweist Tegethoff auf den ersten Europäischen Klimarisikobericht, der 36 zentrale Risiken für Europa identifiziert hat, von denen mehrere bereits ein kritisches Ausmaß erreicht haben. Besonders betroffen seien diejenigen, die am wenigsten in der Lage seien, sich zu schützen.
„Europa ist auf Hitzewellen nicht vorbereitet. Als erstes treffen die Folgen die Ärmsten und Verletzlichsten – sie leiden bereits heute darunter“, sagte er. „Unsere Krankenhäuser sind nicht ausreichend klimatisiert, unsere Städte sind nicht grün genug und unsere Gebäude nicht gedämmt. Klimaresilienz darf kein Privileg derjenigen werden, die es sich leisten können, der Hitze zu entkommen. Sie muss zu einer Priorität für die gesamte Gesellschaft werden.“
Klimaanpassung ist kein Luxus
Im Mittelpunkt des Vorschlags stehen grundlegende strukturelle Veränderungen. „Zunächst müssen wir uns auf die Fakten verständigen: auf eine gemeinsame Datengrundlage, anhand derer alle dieselbe Realität bewerten und planen können, wobei die unterschiedlichen Risikoprofile der Mitgliedstaaten berücksichtigt werden“, sagt Tegethoff. „Wir brauchen klare Ziele, um jedes einzelne der von der Wissenschaft identifizierten Risiken zu verringern. Und wir brauchen finanzielle Grundlagen für naturbasierte Lösungen, die sich vielfach auszahlen werden.“
Tegethoff betont außerdem, dass das Rahmenwerk auf klaren Grundsätzen beruhen müsse, die Europas Anpassung an den Klimawandel leiten. „Schlecht umgesetzte Anpassungsmaßnahmen können die Lage sogar verschärfen – etwa Deiche, die Hochwasser flussabwärts verlagern, Kühlung, die zusätzliche Emissionen verursacht, oder Investitionen, die uns für Jahrzehnte auf den falschen Weg festlegen“, sagte er. „Deshalb brauchen wir verbindliche Prinzipien im Gesetz: keinen Schaden anrichten, unsere Klimaziele nicht untergraben, sektorenübergreifend statt in Silos arbeiten und nach jeder Katastrophe besser wiederaufbauen, damit uns jede Reaktion stärker und klüger macht als zuvor.“
„Diese Chance dürfen wir nicht verpassen“, so Tegethoff abschließend. „Wenn der Rahmen im Herbst vorgestellt wird, muss er die entscheidenden Fragen beantworten. Die Menschen in Europa leben bereits heute mit den Folgen des Klimawandels. Sie verdienen eine Union, die ehrlich mit den Risiken umgeht und ihnen entschlossen begegnet. Klimaanpassung ist kein Luxus. Sie schützt Menschenleben, Lebensgrundlagen und unser Zuhause.“
Vorschläge zur Klimaanpassung
Brief an die EU-Kommission